Ein harter Schnitt in Unter-Abtsteinach

Der Wind hat sich gedreht: Nach 15 fetten Jahren müssen die Fußballer der SG Unter-Abtsteinach zurückschrauben. Der Verein spielt in der nächsten Saison nur noch mit einer Mannschaft in der Kreisoberliga. Bild: Simon Hofmann

Als die SG Unter-Abtsteinach am Samstagmorgen um 10 Uhr ihre Fußballer auf dem Sportplatz einbestellte, da dachte wohl niemand, dass das Wiedersehen für viele Spieler gleichzeitig auch der Abschied mit.
Der Zweite Vorsitzende Jürgen Wetzel , auch Hauptsponsor des Vereins, gab den Rückzug der ersten Mannschaft nach zwei Jahren aus der Verbandsliga Süd bekannt. Die zweite Mannschaft muss auf die dritte Meisterschaft in Folge verzichten und steigt nicht in die Gruppenliga auf. Stattdessen gibt es künftig nur noch ein SGU-Team, das den Platz in der Kreisoberliga behält.

„Die SG Unter-Abtsteinach wird kleinere Brötchen backen“, bestätigte Jürgen Wetzel der OZ auf Nachfrage. „Seit Mitte März hat sich die Welt durch das Coronavirus verändert. Es gibt größere Probleme, als ob die SGU in der Verbandsliga spielt oder nicht“, sagte der 52-jährige Wetzel. Gleichzeitig betonte der Zweite Vorsitzende des des Tabellensiebten, „dass die SGU nicht untergeht. Wir sind eine kleine Familie, und vielleicht kommen wir ja gemeinsam durch die Krise gestärkt heraus.“

Jürgen Wetzel erlebt als Firmenchef eines großen Personaldienstleisters mit Sitz in Mannheim die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie hautnah mit. „Wir haben in Deutschland zehn Millionen Menschen in Kurzarbeit. Es ist moralisch nicht vertretbar, so weiterzumachen wie bisher“, begründet Wetzel die finanziellen Einschnitte bei der SGU.

Der Verein hat keine Einnahmen

Der Verein selbst beziehe derzeit überhaupt keine Einnahmen, wichtige Veranstaltungen wie der „Kuhschiss“ und die Kerwe sind abgesagt. „Wir stemmen nur das, was wir stemmen können“, sagte Wetzel. Deshalb sei ein geordneter Rückzug mit Augenmaß notwendig. Auch beim Verbandsliga-Nachbarn Eintracht Wald-Michelbach hatte Präsident Peter Bihn bereits in der vergangenen Woche im Zuge der Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Ralf Ripperger und Zweitmannschaftstrainer Sascha Amend eine Reduzierung angekündigt.

Wetzel erwartet zudem noch lange nicht das Ende der Talsohle in der Coronakrise. „Nach meiner persönlichen Meinung werden wir im Amateurbereich nicht spielen können, solange es noch keinen Impfstoff gibt“, sagte Wetzel. Die Verantwortung, die den Vereinen übertragen werde, sei einfach zu groß, hinzukommen Fragen einer möglichen Haftung.

Zusammen mit dem SGU-Vorsitzenden Hans-Josef Arnold sowie der Sportlichen Leitung mit Tobias Laudenklos und Jürgen Getto (beide machen weiter) hat Wetzel den künftigen Rahmen abgesteckt. „Ja, es ist ein harter Schnitt. Und es tut mir unendlich leid für alle, die so viel geleistet haben. Wir haben die Verbandsliga genossen. Aber jetzt müssen wir andere Prioritäten setzen“, sagte Wetzel und gab zu, einige schlaflose Nächte hinter sich zu haben.

Cheftrainer Marcus Lauer geht den neuen Weg mit und bleibt an Bord. Das nötigt dem Zweiten Vorsitzenden viel Respekt ab. „Marcus hat uns immer geholfen. In jeder Situation, ob als Trainer der zweiten Mannschaft, die er formte und nach oben führte, oder bei der ersten Mannschaft“, sagte Wetzel. Nachdem die Frage des Trainers geklärt sei, wird der Verein nun eine neue Mannschaft aus den bisherigen Spielern zusammenstellen – das wird keine schlechte sein. Laut Wetzel habe er viele positive Rückmeldungen bekommen, gleichwohl können natürlich nicht alle der rund 35 Spieler bleiben. „Wir haben frühzeitig Bescheid gegeben, damit die Spieler wissen, woran sie sind“, sagte Wetzel. Klare Ansagen seien Teil der SGU-DNA. An den Hessischen Fußball-Verband sei noch keine Meldung gegangen, erst mal wolle man die offizielle Verkündung des Saisonabbruchs abwarten.

In der Krise liege sicherlich auch eine Chance, sich über eine gemeinsame Stärkung Gedanken zu machen, so Wetzel. 2005 war die Spielgemeinschaft mit dem FC Ober-Abtsteinach auseinandergebrochen – die Schwierigkeiten, einheimische Spieler zu finden, sind angesichts der allgemeinen Entwicklung im Jugendbereich für beide Klubs seitdem nicht weniger geworden.

Quelle: WNOZ.de

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